Nicht alltäglich von global zu lokal

Landrat Dr. Klaus Michael Rückert lädt Regierungspräsidentin Nicolette Kressl zu Reise durch den Kreis ein.

Im Rahmen ihrer zweiten Kreisbereisung in ihrer Funktion als Präsidentin des Regierungsbezirks Karlsruhe führte Landrat Dr. Klaus Michael Rückert Nicolette Kressl einen ganzen Tag durch beispielhafte Unternehmen im Kreis Freudenstadt. Die ausdrücklich „nicht alltägliche“ Tour sollte, so Rückert, auch in Unternehmen führen, die „man so nicht auf dem Schirm“ habe.

So begann die Reise durch den Landkreis im Tonbachtal im privat geführten Senioren-, Kur- und Pflegeheim Waldheim. Das Betreiberehepaar Heidrun und Uwe Raible führte die Regierungspräsidentin und den Landrat durch das 1990 in einem ehemaligen Hotel eingerichtete Pflegezentrum für Senioren. Mit von der Partie waren der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf und Uwe Nübel, zweiter Vorsitzender des Vereins Sozialer Dienstleister Freudenstadt. Besonders auffallend während des Rundgangs war die besonders familiäre Atmosphäre im Waldheim. Das sei „der Schlüssel zum Erfolg“, so Landrat Dr. Rückert. Bewohner, Mitarbeiter und „die Chefs“ pflegen einen sehr herzlichen Umgang miteinander; die persönliche Ansprache ist ganz normal. Bei 48 Plätzen zuzüglich stationärer Tagesplätze ist das keine Selbstverständlichkeit. Im persönlichen Austausch mit Bewohnern machte sich die Delegation in den Wohn- und Sozialräumen einen Eindruck vom Leben im Waldheim. Nicolette Kressl stellte viele Fragen; unter anderem interessierte sie sich besonders für die Demenzbetreuung im Haus und die dafür benötigten Sicherheitsvorkehrungen sowie die Fachkräftesituation, insbesondere im Palliativbereich. Zum Abschluss lobte die Regierungspräsidentin die schöne Aussicht, die der im unweit entfernten Tonbacher Luxushotel in nichts nachstünde.

Nach rund einer Stunde brach der Tross auf und durchquerte einmal den Landkreis in die Backstube der Bäckerei Saur. Auf dem Horber Hohenberg empfing die Bäckerfamilie neben Kressl und Dr. Rückert auch Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger und Neu-Bürgermeister Ralph Zimmermann. Hans-Peter Saur, der sich die Geschäftsführung seit 2016 mit seinen Söhnen Matthias und Alexander teilt, berichtete zunächst im Gespräch mit den Gästen von den Ursprüngen des Familien-Betriebes, dessen Tradition bis 1955 zurückginge. Thematisiert wurde außerdem die Personal- und Ausbildungssituation, die sich unter anderem aufgrund eines falschen Images des Bäckerhandwerks und des Anspruchs an die Öffnungszeiten schwierig gestalte. „Heute werden nur noch die Leute Bäcker, die das unbedingt wollen. Wir müssen um neue Mitarbeiter kämpfen.“ Der Bäckerberuf sei viel abwechslungsreicher, als das auf den ersten Blick wirke. Von den ehemals über 150 Bäckereibetrieben in der hiesigen Bäckerinnung seien nur noch 20 Betriebe übrig, von denen ca. zehn keine Lehrlinge bräuchten. In der Backstube, die die 16 Standorte von Rangendingen bis Freudenstadt mit frischen Teiglingen versorgen, würden pro Monat etwa sechs Tonnen Butter verarbeitet. Unter der Aufsicht von Bäckermeister Saur versuchten sich die Regierungspräsidentin und Landrat Dr. Rückert am Ende des Besuches gekonnt am „Brezelschwingen“ – das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus dem Kreis stand Kressl Rede und Antwort zu aktuellen Themen.

Hans-Peter Saur führt Bürgermeister Zimmermann, Landrat Dr. Rückert, Oberbürgermeister Rosenberger und die Regierungspräsidentin in der beeindruckenden Backstube in die handwerkliche Kunst des Brezelschwingens ein (von rechts nach links).


Vom Hidden-Champion zur Champions League

Alexander Prokisch, Marketingleiter der HOMAG Group AG, empfing am Mittwochmittag gemeinsam mit Bürgermeister Klaas Klaassen den Landrat samt Regierungspräsidentin Nicolette Kressl in Schopfloch.

Mit einem Blick auf einen Globus – eine Arbeit von Auszubildenden, natürlich aus Holz – verschaffte sich Kressl einen Eindruck von der stattlichen Zahl der Standorte des weltweit führenden Herstellers von Maschinen und komplexen Anlagen für die holzverarbeitende Industrie und das Handwerk. Bei der anschließenden Werksführung berichtete Prokisch von vollen Auftragsbüchern und extrem gestiegener Nachfrage: „HOMAG-Maschinen stehen sowohl bei Schreinern hier vor Ort bis hin zu IKEA-Produzenten.“ Über 6.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern produzieren, verkaufen und warten Einzelmaschinen und komplett vernetzte Fertigungsstraßen.
Einen hohen Stellenwert hat bei HOMAG auch die Ausbildung. Als erstes Ausbildungsunternehmen im Landkreis Freudenstadt hat die HOMAG GmbH zum zweiten Mal das Qualitätssiegel „Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) erhalten. Das Unternehmen biete 16 attraktive verschiedene Ausbildungsberufe und Studienplätze mit den Schwerpunkten Technik, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen.

Digital gehe die HOMAG in der Branche auf neuen Wegen voraus. Durch Fernservice können rund 85 % aller Servicefälle weltweit online erledigt werden. Insbesondere aufgrund der Vielfalt der Maschinen und deren internationalen Einsatz sei der Fernzugriff aus Schopfloch das ideale Werkzeug. Mehr noch: Der Weltmarktführer hat mit seiner neuen IoT-Platform (Internet of Things) tapio für die gesamte Branche wieder Maßstäbe gesetzt und die erste digitale Plattform weltweit für die Holzbranche ins Leben gerufen.

„Die HOMAG“ sei ein Unternehmen mit langer Tradition und vom „Hidden-Champion in die Champions-League“ aufgestiegen. Bürgermeister Klaassen lobte die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit dem bei weitem größten Unternehmen seiner Kreisgemeinde. Diesen Ball spielte Marketingleiter Prokisch gerne zurück: „Wenn es überall so gut liefe, wäre alles gut.“.

Die abschließende Frage der Regierungspräsidentin nach dem Transport der tonnenschweren und raumfüllenden Anlagen beantwortete sie sich gleich selbst: per LKW. Prokisch nahm das Thema gerne auf und verabschiedete Kressl mit dem großen Wunsch nach einem weiteren Ausbau der Infrastruktur und besseren Anbindung an die Autobahn.

Im Showroom der HOMAG Group lassen sich Regierungspräsidentin Kressl, Landrat Dr. Rückert und Bürgermeister Klaassen von Marketingleiter Alexander Prokisch (zweiter von links) die Funktionsweisen verschiedenster Anlagen erklären.


Von global zu lokal - von der Welt auf das Land

Zum Kontrast führte Landrat Dr. Rückert Kressl im Anschluss nach Loßburg-Lombach. Dort wurde die kleine Delegation, ergänzt durch den Leiter des Landwirtschaftsamtes Dr. Norbert Ferch, herzlich von Familie Heinzelmann, Bürgermeister Christoph Enderle und Ortsvorsteher Gerhard Haas auf dem Heinzelmannhof empfangen. Der Hof steht wirtschaftlich auf vielen Beinen:

Betriebsschwerpunkt ist die Rinderhaltung, aber auch die vier Ferienwohnungen laden zu familienfreundlichen Ferien auf dem Bauernhof ein. Die in der Hofbrennerei produzierten Edelbrände verkaufen Siegfried und Hildegard Heinzelmann vor Ort sowie im Internet und bieten für große, auch internationale, Busreisegruppen Schnapsverkostungen an. Schwiegertochter Carina hatte die Idee für das vierte Standbein des Heinzelmannhofes: Im „Milchhäusle“ können sich die Lombacher und Durchreisende rund um die Uhr mit Frischmilch und Eiern vom Hof versorgen. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis. Landrat Dr. Rückert lobte die gute Idee und den „kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Nahversorgung“. Gerne verbinden Familien den Einkauf mit einem Blick hinter die Kulissen – für die Heinzelmanns ist es eine Selbstverständlichkeit Besuchern ihren Hof und die anfallenden Arbeiten zu zeigen und zu erklären.

Besonders beeindruckt war die Regierungspräsidentin von dem voll automatisierten neuen Milchviehstall, den die Familie mit Fördermitteln aus dem Agrarinvestitionsförderungsprogramm des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz erbaut hat. Der besonders tiergerechte Boxenlaufstall bietet Platz für 75 Milchkühe und die eigene Nachzucht von Höhenfleckvieh. Ein Melkroboter führt das Melken vollautomatisch durch – und zwar dann, wenn sich das Tier selbständig dafür entscheidet. Ein „Spaltenreiniger“ sorgt dafür, dass die Laufflächen sauber bleiben. An zwei Ecken des Stalles finden sich so genannte „Kuhputzmaschinen“ für das Wohlbefinden der Tiere, das Heinzelmanns spürbar sehr am Herzen liegt.

Die Unternehmensnachfolge ist im Hause Heinzelmann langfristig gesichert. Besonders deshalb ist es Siegfried Heinzelmann wichtig, das „Kapital Grund und Boden sorgfältig zu bewahren und fruchtbaren Boden zu hinterlassen“. Insgesamt bewirtschaftet die Familie über einen Quadratkilometer Acker, Grünland, Streuobstwiesen und Wald; rund ein Viertel davon in Steillagen. Da sei das gute Wegenetz rund um Lombach, für das sich Heinzelmann beim anwesenden Bürgermeister ausdrücklich bedankte, überlebenswichtig.

Zum Abschluss lud Familie Heinzelmann den Besuch zu einem zünftigen Vesper in die „gute Verkaufsstube“ der Heinzelmanns ein. Vor der Kulisse des beeindruckenden Angebots an vielzähligen Edelbränden bedauerte der Landwirt den Wegfall des Branntweinmonopols zum Ende des Jahres 2018. Das werde „vielen Kleinbrennereien den Garaus machen.“.

Regierungspräsidentin Kressl bedankte sich am späten Nachmittag bei Siegfried und Hildegard Heinzelmann für den besonders netten Empfang und die beeindruckende Führung durch den außerordentlich modernen und gleichzeitig traditionell geführten Hof. Bevor sie die Heimreise antrat, dankte sie Landrat Dr. Rückert für den sehr informativen Tag und die Rundreise durch den Landkreis. Uwe und Monika Raible vom Waldheim Tonbach sollten recht behalten: Im Landkreis sei es so schön, dass man nicht mehr wegwolle – zumal an diesem Tag das Wetter im Badischen schlechter gewesen sei.

Beim Hof-Rundgang besonders vom neuen automatisierten Stall beeindruckt zeigten sich Dr. Norbert Ferch vom Landwirtschaftsamt, Landrat Dr. Rückert, Regierungspräsidentin Kressl und Bürgermeister Christoph Enderle (von rechts nach links). Ortsvorsteher Haas (vierter von links) kennt sich auf dem Heinzelmannhof schon bestens aus.

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